Medizin aus mehr als einer Welt

Ein Blog von Dr. med. Nicola Winckler-Schumann

Ein Frühstück nicht nur für die Fastenzeit

Wie könnte ein ideales Frühstück aussehen? Aus Sicht der chinesischen Ernährungslehre wäre ein warmes Hirsefrühstück ideal. Es baut auf und gibt Kraft, es versorgt den Körper mit vielen wichtigen Nährstoffen und ist dazu noch richtig lecker.

Ärzte für chinesische Medizin raten ihren Patienten möglichst viele Mahlzeiten „warm“ zu essen. Die warmen Mahlzeiten helfen dem Körper seine Temperatur zu halten und schenken ihm damit aktiv Energie. Des Weiteren sind warme Mahlzeiten leichter verdaulich, da sie durch die Erwärmung bereits etwas vorverdaut sind. Der menschliche Körper muss dann weniger Verdauungsarbeit leisten, dadurch ist der Energiegewinn größer. Ein warmes Hirsefrühstück ist ein idealer Start in den Tag.

Die Hirse tonisiert das „Qi“. „Qi“ ist eine feine Art von Energie; es ist unsere Lebensenergie; es ist Energie, die durch unsere Akupunkturmeridiane fließt. „Qi“ ist Bewegung, Veränderung, Wandlung und Dynamik. „Qi“ ist der Treffpunkt von Psyche und Körper.

Hirse ist das älteste Getreide und wurde bereits in der Steinzeit gegessen. Lange Zeit war es ein Hauptnahrungsmittel auf allen Kontinenten.Vor 8000 Jahren wurde aus Hirse bereits ungesäuertes Fladenbrot gebacken. Der Name „Hirse“ leitet sich von dem indogermanischen Wort  für „Sättigung, Nährung, Nahrhaftigkeit“ ab. Das heißt, dass schon unsere Vorfahren die nährende Wirkung der Hirse erfahren haben. Im 18. Jahrhundert verdrängte in Europa der Kartoffel-, Mais-, Weizen- und Roggenanbau die Hirse und sie wurde vergessen. Im 21. Jahrhundert wurde die Hirse aufgrund ihres hohen Gehaltes an Nährstoffen wiederentdeckt. Sie enthält zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente unter anderem Eisen und Magnesium. Hirse ist reich an sekundären Pflanzenstoffen (v.a. die Braunhirse) und glutenfrei.

Hirse ist nicht nur ein Nahrungsmittel, sondern auch ein Naturheilmittel mit zahlreichen gesundheitsfördernden Eigenschaften: kräftigend, energiespendend, aufbauend, wärmend, nervenstärkend, entgiftend, entzündungshemmend, verjüngend, entwässernd. Hirse ist gut für die Haut und Schleimhaut, insbesondere auch für die Darmschleimhaut. Da sie nicht schleimbildend ist (im Gegensatz zu Weizen), ist sie auch gut bei Erkältungskrankheiten. Im Mittelalter wurde Hirse das „fröhliche Getreide“ genannt, da ihm antidepressive Eigenschaften zugesprochen wurden. An dieser Stelle schließt sich der Kreis zwischen europäischer und chinesischer Erfahrung: „Qi“ ist der Treffpunkt von Psyche und Körper.

Rezept „Hirsefrühstück“

Zutaten:

-Hirse
-einheimisches Obst der Saison
-Mandeln
-Rosinen
-Sahne
-Zimt

Zubereitung:

  • Hirse in Wasser kochen (für 2-3 Tage, hält sich im Kühlschrank)
  • gekochte Hirse morgens in einen Topf geben
  • einheimisches Obst der Saison dazu geben
  • Mandeln und Rosinen hinzufügen
  • mit einem Hauch von Wasser erwärmen
  • in eine Müslischale geben und ein wenig Sahne dazu
  • im Winter: etwas Zimt darüber streuen

In der chinesischen Medizin werden die Nahrungsmittel nach den fünf Geschmacksrichtungen und dem Temperaturverhalten eingeteilt. Der Geschmack der Hirse ist süß und ihr Temperaturverhalten ist neutral, damit stärkt sie aus Sicht der chinesischen Medizin die Milz. Das wiederum ist gut für die Körpermitte und die innere Stabilität. Sie tonisiert Qi und Blut, stärkt die Abwehr und harmonisiert den Organismus. Auch stärkt sie die Knochen, das Bindegewebe, die Sehnen, Nägel und Haare. Sie kann die Nieren stabilisieren und Durchfall beseitigen.

Obst, Mandeln und Rosinen liefern viele wichtige Nährstoffe und machen das Frühstück richtig lecker. Ein Hauch von Sahne soll die Verträglichkeit verbessern und das Fett hilft bei der Aufnahme der fettlöslichen Vitamine.

Zimt ist vom Temperaturverhalten heiß und vom Geschmack süß und scharf. Im Funktionskreis „Niere“ unterstützt er die Yang-Energien (die heißen Energien) und zerstreut damit Kälte. Auf diese Weise kann er auch rheumatische Beschwerden lindern. Im Funktionskreis „Leber“ dynamisiert er das Blut und lindert Schmerz. Im Funktionskreis „Milz“erwärmt er die Mitte, zerstreut Kälte und kann hilfreich bei Durchfall und Erbrechen sein.

Das Hirsefrühstück ist ein Brunnen des Lebens. Es kann einen Start in den Tag voller Kraft und Energie ermöglichen. Es kann einen Beitrag zur Gesunderhaltung und zur Genesung leisten. Last but not least: Das Hirsefrühstück ist lecker!

Achtung:
Nur Menschen mit innerer Hitze sollten lieber auf Zimt verzichten oder ihn, wenn überhaupt, nur im Winter und in Maßen genießen.

 

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Haftungsausschluss

Die Gesundheitstipps auf dieser Seite ersetzen keinen Arztbesuch. Fragen Sie immer Ihren Arzt oder Apotheker. Weitere Informationen finden Sie hier.


Kurz über mich

Seit 2002 praktiziere ich in Köln als Ärztin in eigener Praxis für chinesische und alternative Medizin. Das Spektrum der von mir behandelten Krankheiten ist groß, die Patienten sind in Alter und Symptomatik sehr verschieden, aber es gibt eine Gemeinsamkeit: Alle werden akupunktiert!

Die Vorbeugung von Krankheiten hat für mich einen sehr großen Stellenwert.

© 2017-2018 Dr. Nicola Winckler-Schumann